Ausstrahlung als Mann: was sie wirklich ist und wie du sie verbesserst
Ausstrahlung ist das Wort, das Männer benutzen, wenn sie nicht genau sagen können, warum ein anderer wirkt und sie selbst nicht. Er ist nicht größer, nicht reicher, nicht besser angezogen, und trotzdem schauen alle zu ihm, wenn er den Raum betritt. Dieser Ratgeber zerlegt Ausstrahlung in ihre Bestandteile. Was davon ist Aussehen, was ist Verhalten, und was kannst du ab heute ändern, ohne zu posieren?
Was Ausstrahlung eigentlich ist
Ausstrahlung ist der Gesamteindruck, den andere in den ersten Sekunden von dir bilden. Er beruht auf zwei Fragen, die sich jeder unbewusst stellt: Ist dieser Mann mir wohlgesonnen? Und kann er etwas? Beides wird vor allem aus Verhalten abgelesen, aus Tempo, Raum, Blick und Sprache, und erst danach aus Aussehen.
Die Sozialpsychologinnen Susan Fiske, Amy Cuddy und ihr Kollege Peter Glick haben 2007 zusammengefasst, was die Forschung über erste Eindrücke weiß. Menschen beurteilen andere zuerst auf zwei Achsen: Wärme und Kompetenz. Wärme beantwortet die Frage nach den Absichten, Kompetenz die Frage, ob jemand diese Absichten auch umsetzen kann. Wer auf beiden Achsen hoch liegt, wird bewundert. Wer nur kompetent wirkt, wird respektiert, aber beneidet. Wer nur warm wirkt, wird gemocht, aber nicht ernst genommen.
Für Männer, die Ausstrahlung suchen, ist das eine wichtige Korrektur. Viele versuchen, über Härte zu wirken, und landen bei Kompetenz ohne Wärme: respektiert vielleicht, aber nicht gemocht, und deshalb ohne Verbündete. Andere sind freundlich, aber hastig und bemüht, und landen bei Wärme ohne Kompetenz. Ausstrahlung entsteht, wo beides zusammenkommt.
Warum die ersten Sekunden zählen
Die Psychologen Janine Willis und Alexander Todorov haben 2006 gezeigt, dass Menschen schon nach einer Zehntelsekunde ein Urteil über ein Gesicht fällen und dass mehr Zeit dieses Urteil kaum ändert. Nalini Ambady und Robert Rosenthal fanden Anfang der neunziger Jahre, dass Urteile über Lehrer aus wenigen Sekunden stummer Videoaufnahmen erstaunlich gut mit den Bewertungen nach einem ganzen Semester übereinstimmten. Wie lange es dauert, ein solches Urteil zu drehen, beschreibt die Rangordnung in einem eigenen Gesetz.
Das heißt nicht, dass du verloren hast, wenn der erste Moment schiefgeht. Es heißt, dass der erste Moment mehr Gewicht hat, als die meisten ihm geben. Wer hastig hereinkommt, sich für die Verspätung erklärt und den erstbesten Platz nimmt, hat seine Ausstrahlung bereits festgelegt, bevor er etwas Kluges sagen konnte.
Die vier Verhaltenssignale, aus denen Ausstrahlung besteht
Raum
Wie viel Platz jemand für seinen Körper, seine Sachen und seine Redezeit beansprucht, wird als Aussage über seinen Rang gelesen. Das heißt nicht, breitbeinig zu sitzen. Wer sich automatisch kleinmacht und immer den Platz nimmt, der übrig bleibt, sendet aber ein Signal, ob er will oder nicht. Welches Gesetz dahintersteht und wie man es im Alltag umdreht, steht im zweiten Kapitel.
Tempo
Wer schnell spricht und sich hastig bewegt, verrät Anspannung, auch wenn er sie nicht spürt. Ruhiges Tempo wirkt dagegen wie Sicherheit. Die Übung, die das Buch dazu vorschlägt, dauert keine zwei Minuten, und die meisten erschrecken danach, wie gehetzt sie normalerweise klingen.
Blick
Beim Blickkontakt zählt weniger die Menge als die Verteilung, das zeigen Studien zur sogenannten visuellen Dominanz. Wann du hinsiehst und wann du wegsiehst, wird gelesen, und die meisten Männer machen es genau falsch herum. Welches Muster wirkt, erklärt das Buch.
Sprache
Kleine Weichmacher und Rückversicherungen am Satzende bitten um Zustimmung, und jeder hört es. Sag deinen Satz und hör auf. Welche Wörter am meisten kosten, zählt das Buch auf.
Kleidung, Körper und Pflege
Kleidung und Körper sind die Grundlage, nicht die Ausstrahlung selbst. Gepflegt und passend zum Anlass: Das ist die Basis. Auffällige Marken und Statussymbole wirken oft umgekehrt, weil sichtbare Zurschaustellung Unsicherheit verrät.
Kleidung und Besitz gelten als Statussignale. Tatsächlich verraten sie vor allem Ehrgeiz. Der Ökonom Thorstein Veblen hat schon 1899 beschrieben, dass demonstrativer Konsum vor allem bei Menschen auftritt, die ihren Platz erst beweisen müssen. Die Rangordnung widmet der Kleidung ein eigenes Gesetz, und es ist nüchterner, als die meisten erwarten.
Der Fehler, den Kleidung wirklich verursachen kann, ist selten zu wenig Aufwand, sondern eher der falsche: das Teil, das man nur trägt, damit andere es bemerken. Was das Buch dagegen setzt, ist einfacher, als man denkt.
Beim Körper gilt dasselbe Prinzip. Ein trainierter Körper und eine aufrechte Haltung sind kein Statussymbol, sondern Grundlage: Sie machen es leichter, ruhig zu stehen, Raum zu nehmen und sich langsam zu bewegen. Krafttraining zu Hause, zehn Minuten an der Klimmzugstange, ein gepflegter Bart statt eines vernachlässigten. Nichts davon ist Ausstrahlung, aber alles davon macht sie leichter.
Was Ausstrahlung zerstört
Es gibt Fehler, die mehr Wirkung kosten als jedes falsche Hemd. Die Rangordnung nennt sie in verschiedenen Gesetzen, und sie haben einen gemeinsamen Nenner: Bedürftigkeit.
- Ungefragte Erklärungen. Drei Gründe für eine Absage, eine Entschuldigung für eine Frage. Jede Erklärung bittet um Erlaubnis.
- Sofortige Verfügbarkeit. Wer auf jede Nachricht in Minuten antwortet, wird nicht unverzichtbar, sondern selbstverständlich.
- Der suchende Blick. Nach jedem eigenen Satz in die Runde schauen, ob er angekommen ist.
- Zurschaustellung. Geld, Besitz, wichtige Bekannte, die eigene Auslastung. Alles Signale, dass der Platz noch nicht sicher ist.
- Kälte als Ersatz für Stärke. Der häufigste Fehler von Männern, die anfangen, an ihrer Wirkung zu arbeiten. Kälte kostet die Wärme-Achse und damit Verbündete.
Ausstrahlung von innen: Unabhängigkeit
Ein Teil der Ausstrahlung lässt sich nicht über Tempo und Kleidung herstellen, weil er aus der Lage kommt, in der jemand steckt. Ein Mann, der auf eine Zusage, einen Deal oder die Zustimmung einer Runde nicht angewiesen ist, sitzt anders am Tisch. Er redet langsamer, muss nichts beweisen und kann gehen. Das spüren andere, auch wenn sie es nicht benennen können.
Deshalb lohnt es sich, Ausstrahlung nicht nur vor dem Spiegel zu bearbeiten. Rücklagen, Können, das andere schätzen, Freundschaften außerhalb des Alltags: Das sind die Dinge, die dafür sorgen, dass du in der nächsten Auseinandersetzung ruhig bleibst, ohne dich dazu zwingen zu müssen. Mehr dazu in Selbstbewusstsein als Mann.
Wo du anfängst
Wer alles auf einmal ändern will, hört nach drei Tagen auf. Besser ist eine Sache nach der anderen, jeweils so lange, bis sie nicht mehr auffällt. Ein guter Anfang ist Beobachtung: Achte eine Woche lang bei den Männern in deinen Runden, die Ausstrahlung haben, auf Tempo, Blick und Erklärungen. Danach nimm dir die Leseprobe aus dem Buch vor, Gesetz 10, Wer sich erklärt, senkt seinen Status, und streich ungefragte Erklärungen aus deinen Nachrichten. Den vollständigen 30-Tage-Plan mit einer Sache pro Woche findest du am Ende des Buches.
Wer tiefer in die Frage einsteigen will, wie aus Ausstrahlung Charisma wird, liest Charisma lernen. Und was Körpersprache leisten kann und was nicht, steht in Körpersprache beim Mann.
Ausstrahlung in den ersten fünf Minuten eines Abends
Wie das alles zusammenwirkt, zeigt ein gewöhnlicher Abend. Du kommst zu einer Feier, auf der du nur den Gastgeber kennst. Die meisten Männer machen in den ersten fünf Minuten drei Dinge: Sie entschuldigen sich für irgendetwas, suchen hastig nach dem einen bekannten Gesicht und bleiben dann an dessen Seite kleben.
Ein Mann mit Ausstrahlung macht es anders. Er kommt nicht zu spät, sondern ein paar Minuten nach Beginn, in Ruhe. Er begrüßt den Gastgeber, ohne lange Erklärung, wo er herkommt. Er nimmt sich ein Getränk und stellt sich an einen Platz, von dem aus er den Raum sieht. Er lässt sich vorstellen, merkt sich die Namen und benutzt sie. Und er stellt eine echte Frage, statt von sich zu erzählen. Nichts davon ist spektakulär. Zusammen ergibt es den Eindruck, den andere später mit dem Wort Ausstrahlung beschreiben.
Und noch ein Hinweis zur Geduld: Ausstrahlung ist kein Schalter, sondern ein Eindruck, der sich aus vielen Begegnungen zusammensetzt. Wer heute ruhiger auftritt, wird morgen nicht anders gesehen, aber in drei Monaten schon. Das ist weniger spektakulär als jede Verwandlung über Nacht und dafür dauerhaft.
Häufige Fragen
Was macht die Ausstrahlung eines Mannes aus?
Ausstrahlung ist der Gesamteindruck, den andere in den ersten Sekunden von dir bekommen. Er entsteht weniger aus Aussehen als aus Verhalten: wie ruhig du dich bewegst und sprichst, wie viel Raum du nimmst, wie du deinen Blick verteilst und ob du dich ungefragt erklärst. Dazu kommen Gepflegtheit und eine Kleidung, die zum Anlass passt.
Kann man Ausstrahlung lernen?
Ja, weil sie zum großen Teil aus Gewohnheiten besteht. Tempo, Blick, Sprache und Haltung lassen sich üben, und das Gefühl folgt dem wiederholten Verhalten. Was sich nicht über Nacht ändert, ist der Ruf, der sich aus vielen Begegnungen zusammensetzt.
Wie wichtig ist das Aussehen für die Ausstrahlung?
Weniger, als die meisten glauben, aber nicht unwichtig. Gepflegtheit, passende Kleidung und ein trainierter Körper schaffen eine Grundlage, auf der Verhalten wirken kann. Teure Marken und auffällige Statussymbole wirken dagegen oft umgekehrt, weil sie Unsicherheit verraten.
Warum wirken manche Männer sofort sympathisch und souverän zugleich?
Weil sie zwei Dinge gleichzeitig senden: Wärme und Kompetenz. Die Sozialpsychologie zeigt, dass Menschen andere zuerst nach diesen beiden Achsen beurteilen. Wer nur Kompetenz zeigt, wirkt kalt, wer nur Wärme zeigt, wirkt harmlos. Ruhe plus Freundlichkeit ohne Erwartung ergibt die Mischung, die als Ausstrahlung gelesen wird.
Was ruiniert die Ausstrahlung am schnellsten?
Hast und Bedürftigkeit. Hastiges Sprechen, schnelle Antworten, ständiges Rechtfertigen und das Suchen nach Bestätigung im Blick der anderen kosten mehr Wirkung als jedes unpassende Kleidungsstück.
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Quellen und weiterführende Literatur
- Fiske, S. T., Cuddy, A. J. C. & Glick, P. (2007): Universal dimensions of social cognition: Warmth and competence. Trends in Cognitive Sciences, 11(2), 77–83.
- Willis, J. & Todorov, A. (2006): First impressions: Making up your mind after a 100-ms exposure to a face. Psychological Science, 17(7), 592–598.
- Ambady, N. & Rosenthal, R. (1993): Half a minute. Journal of Personality and Social Psychology, 64(3), 431–441.
- Veblen, T. (1899): The Theory of the Leisure Class. New York: Macmillan.
- Fox Cabane, O. (2012): The Charisma Myth. New York: Portfolio.